U – hat endlich zu Ferdinand gefunden du

Da „wartet“ dieser Mann bis zu seinem 45. Lebensjahr, um seine ersten Kurzgeschichten zu veröffentlichen. Das war im Jahr 2009 und das Buch „Verbrechen“ steht nach seiner Veröffentlichung 61 Wochen auf der Spiegel Bestseller – Liste, was ja nicht automatisch ein Qualitätssiegel sein muss. Das die Rechte an dem Buch auch in über 30 Länder verkauft wurden, macht jedoch deutlich, dass damals etwas besonderes begann.

Ferdinand von Schirach ist auf die literarische Bühne getreten.
Ein Mann, dessen Familiengeschichte nicht frei von starken Eintrübungen und schwarzen Flecken ist, lebt eher zurückgezogen und hat seiner Meinung nach nicht viel mit dem Literaturbetrieb gemein. So weit so gut; wenn da nicht der Literaturbetrieb wäre, der viel mit ihm zu tun haben will.

Die literarische Karriere jedenfalls geht steil nach oben. nach „Verbrechen“ 2009, erscheint 2010 „Schuld“, 2011 „Der Fall Collins“ 2013 „Tabu“, im Jahr 2014 „Die Würde ist antastbar“. Das Theaterstück „Terror“ folgt 2015. Es folgen weitere Bücher und nahezu alle werden Bestseller. gefeiert Theateraufführungen oder ausgezeichnete Verfilmungen entstehen.

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Ich habe nun seinen Roman „Tabu“ gelesen und war von Anfang an begeistert. Klare Sätze, eine schnörkellose Erzählstruktur, starke Protagonisten und ein außerordentlicher Plot machen dieses Buch unbedingt lesenswert.
„Wenn Wirklichkeit und Wahrheit verschiedene Dinge sind“ steht auf dem Buchumschlag. Und genau das ist der Kern, um den es in diesem faszinierenden Roman geht. Ein Justizdrama oder ein Künstlerroman; es ist im Prinzip beides und wenn das niederländische „Dagbladet“ wertet, dieses Buch steht  auf einer Stufe mit dem Besten, was im letzten Jahrhundert in der deutschsprachigen Literatur geschrieben wurde“ wiederhole ich das an dieser Stelle denn es ist sicher zutreffend.
Ein schlecht gelaunter Strafverteidiger Konrad Biegler, der an diversen Allergien leidet und das Rauchen nicht lassen kann, soll einem jungen Künstler helfen, der einem Mordvorwurf ausgesetzt ist. 31 Jahre Erfahrung als Strafverteidiger bedeuten nicht, dass man schon alles erlebt hat, wie dieses Buch zeigt. Ein. junger Künstler, Sebastian von Eschburg,  der ein dramatisches Kindheitstrauma verarbeiten muss, suggeriert mit seiner Arbeit, dass Wirklichkeit und Wahrheit verschiedene Dinge sind. In einem Hinweis am Ende des Buchs heißt es: „Die Ereignisse in diesem Buch beruhen auf wahren Begebenheiten. “ Wirklich?“ fragt Biegler.
The Sunday Times sagt: “ Sehr lesenswert“. Was soll ich da jetzt noch tippen wollen. 
Ich empfehle euch diesen Roman und ihr werdet eintauchen in die literarische Welt von Ferdinand von Schorsch und sie nicht mehr verlassen wollen.

Darum lege ich noch eins nach. Kein Roman, sondern ein Theaterstück dass man sicher gesehen,  aber auch gelesen haben muss! 
„Terror“ ist ein Theaterstück von großer Aktualität. Wofür entscheiden wir uns? Was gilt die Würde des Menschen in konkreter Terrorgefahr? Was ist uns wichtiger, die Freiheit oder die Sicherheit? 

Ein Gerichtsprozess, in dem einem Kampfpiloten der Luftwaffe zigfacher Mord vorgeworfen wird. Entgegen einem Befehl, schießt er eine Passagiermaschine der Lufthansa ab, um zu verhindern, dass die von Terroristen entführte Maschine in die mit 70.000 Menschen vollbesetzte Allianz Arena in München gelenkt wird.
Vor Gericht muss er sich für sein Handeln verantworten.
Und wir werden als Leser nicht nur als Beobachter einbezogen, sondern wir werden Richter, ebenso wie die Zuschauer im Gerichtssaal. Es wird uns nicht abgenommen, eine Meinung zu haben, ein Urteil zu fällen.

Ferdinand von Schirach stellt Fragen wie: „Gibt es Situationen in unserem Leben, in denen es richtig, vernünftig und klug ist, Menschen zu töten?“ 
„Kann der Staat ein Leben gegen ein anderes Leben aufwiegen?“

In seinem aufwühlenden und packenden Theaterstück sind wir eingeladen, uns Gedanken zu machen und fiktiv Verantwortung zu übernehmen. Es gibt kein konkretes Ende, sondern ein offenes. Zwei Urteile sind möglich; zwei Entscheidungen deren Tragweite jeweils groß sind. Wie urteilt ihr wohl? Benthams und Mills Utilitarismus versus Kants kategorischer Imperativ ethischen Handelns. Äußerst spannend und fesselnd.
Ich kann euch wie immer nur einladen und hoffentlich neugierig machen auf einen der spannendsten Autoren der Gegenwart. Taucht ein in die Welt von Ferdinand von Schirach, denn es ist auch unsere Welt.

Also, bemüht den Buchhändler eures Vertrauens, am besten den in eurem Quartier und dann ab auf den Lieblingsplatz. 

 

 

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