U meint – dieses Buch ist kein Risiko!

Eine deutsch – türkische Orientexpedition bricht im Ersten Weltkrieg zu einem Abenteuer auf, das man opulenter kaum erzählen kann. Blendend recherchiert und in einer wahren Bilderflut erzählt der Autor Steffen Kopetzky davon, wie ein junger Marinefunker sich als Funkoffizier einer geheimen Expedition anschließt, die die Aufgabe hat, den Emir von Afghanistan und die Stämme der Paschtunen im Namen des Islam zum Angriff auf Britisch – Indien zu bewegen.

Arabien, Ägypten, Sudan, Persien und sogar Afghanistan, haben die Lunten und Zünder des Krieges der europäischen Großmächte erreicht. 
Afghanistan, das Land, das zuvor noch kein Deutscher oder Österreicher betreten hat, war die Bestimmung dieser Expedition. 
Nach dem Hatschi Wilhelm el – Almani, Sultan von Deutschland, besser bekannt als Kaiser Wilhelm II. nach einer geheim durchgeführten Wallfahrt nach Mekka geschworen hat, der Beschützer aller dreihundert Millionen Moslems zu sein und zusammen mit Sultan Mehmet Rest, dem wahren Kalifen, die ungläubigen Imperialisten aus den Ländern der Gläubigen zu vertreiben, nimmt dieses Abenteuer seine wilde Fahrt auf.

Absurd? Vielleicht; aber vor ca. 100 Jahren soll es sich so oder so ähnlich abgespielt haben.
Egal wie, dieses Buch ist ein absoluter Page – Turner, eine Zeitreise, die virtuos mit der Geschichte umgeht. Nur wer denkt, es wäre eine Art Kriegsroman, der irrt sich und beraubt sich eines Vergnügens, das seinesgleichen sucht.
Der Diplomat, Orientalist und Archäologe Max von Oppenheim leitet  zu Beginn des Ersten Weltkrieges die Nachrichtenstelle für den Orient im Auswärtigen Amt. Gemeinsam mit Oskar Niedermeyer soll er  die Muslime zum Krieg anstacheln und gegen ihre Kolonialherren in Stellung bringen und initiiert hierzu eine wagemutige Expedition.
Noch bevor von Oppenheim und seine Motivation in seinem Berliner Amtssitz dargestellt wird, haben LeserInnen bereits den Protagonisten kennengelernt. Der junge Sebastian Stichnote, Marinefunker und zentrale Figur des Romans, tritt den LeserInnen zu Beginn in einem Prolog gegenüber. In einer dramatischen Lage geht der allwissende Erzähler dann dazu über, rückblickend ein virtuoses Gemälde der Geschehnisse bis dahin zu erzählen.
Stichnote führt die Leser/Innen von Beginn an durch dieses hervorragend konzipierte Dickicht aus Namen, Orten und Begebenheiten. Starke Figuren treten auf wie der eitle Schweizer Journalist Zickler von der NZZ,  der britische Spion Aschraf, der die Expedition infiltriert, in welchem Zusammenhang taucht Lucien Camus auf, Vater von Albert Camus?  Welche Rolle spielt Karl Dönitz, der spätere Admiral in diesem Abenteuer? Alle Figuren, die in diesem Buch vorkommen zu erwähnen, würde den Rahmen sprengen. Spielt die Liebe eine Rolle?
Der Autor hat zehn Jahre an diesem Buch gearbeitet und wenn man es schließt, was man eigentlich gar nicht möchte, versteht man warum. Neben starken Figuren zeichnet Kopetzky nahezu plastisch Bilder von orientalischen Ländern, Wüsten, Bergregionen, Dörfern, Farben oder Gerüchen; man hat mitunter das Gefühl vor Ort zu sein und dieser Expedition und den Abenteuern der Akteure in Körpernähe zu folgen. Ich war diesem Abenteuer zu jederzeit gerne auf der Spur.

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Wie immer möchte ich nicht weiter ins Detail gehen, da es lediglich mein Anliegen ist, euch neugierig zu machen. Wer Lust auf einen historischen Roman hat, der an Farbigkeit, Detailkenntnis, Sprachgewalt und Bilderreichtum und Spannung kaum zu überbieten sind, der sollte ins Risiko gehen und dieses Buch lesen. Taucht ein in ein fantastisches Abenteuer, für dass der Autor Steffen Kopetzky auf der Longlist für den Deutschen Buchpreis gelandet ist. 
Also, Lieblingsplatz einnehmen, Versorgung sichern und eintauchen. Ihr werdet es nicht bereuen!

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