U – und 118 Seiten Atemlosigkeit!

Jetzt habe ich es doch nicht geschafft, in kürzeren Abständen meine Beiträge einzustellen. Ich bedauere dies selber am meisten, ist es doch so, dass man seine Leseerlebnisse zeitnah mit anderen teilen möchte.
Dies ändert allerdings nichts daran, dass auch dieser Beitrag euch neugierig machen soll auf ein Buch, das neu ist und das ich eher beim Stöbern gefunden habe, von dem ich allerdings völlig begeistert bin.
Wieder ist es ein Franzose, der mich gepackt hat. Er nimmt ein Treffen vom 20. Februar 1933 zum Anlass und zum Ausgangspunkt, uns, in einem wahren Husarenritt, teilhaben zu lassen an Mutlosigkeit, Ignoranz, Resignation, Nachgiebigkeit und Erpressungen in Hinterzimmern der Geschichte.
Wer jetzt denkt, dass es sich mal wieder um einen Roman über „Nazi – Deutschland“ handelt und dies ermüdend fände, dem sei rasch zugerufen: “ Nein, bleib hier und nimm dieses Buch in die Hand! Du wirst es nicht bereuen. Schon gar nicht wirst du moralisch belehrt werden oder schon oft gelesenes vorfinden. Du wirst vielleicht etwas außer Atem kommen; vielleicht auch etwas verärgert sein über das Scheitern anderer. Vielleicht wirst du auch mitfiebern in der Hoffnung, Geschichte möge sich doch noch ändern lassen. Du wirst dich vielleicht aufregen oder möchtest die Protagonisten retten oder richten. Du wirst Emotionen durchleben und doch nichts mehr ändern können, denn die Geschichte lässt sich nicht ändern.

Èric Vuillard lässt zu Beginn seines Buches “ Die Tagesordnung“ den 20. Februar 1933 aufleben.  Reichstagspräsident Hermann Göring hat 24 hochrangige Vertreter der Industrie zu einem Treffen mit Adolf Hitler eingeladen. Der Auftakt zu einer Tour durch die Hinterzimmer der Macht in Europa, in denen wichtige Momente der Geschichte stattfanden und die Èric Vuillard meisterhaft und mit ironischem Biss erzählt. Kein Roman, sondern eher ein neues Genre. Fesselnd und atemlos folgt man ihm durch Berlin, London und Wien. Man ist auf dem Berghof und leidet mit Österreichs Kanzler Schuschnigg. Man verzweifelt an den einfältigen Engländern und möchte Lord Chamberlain gerne etwas einflüstern. Man möchte einiges tun, wenn man dieses Buch liest. Doch lässt sich nichts ändern. Man ist ganz dicht dabei, glaubt man. „Schuschnigg, hör mir zu..ich will dir helfen…“. Lord Chamberlain, please listen to me!!“
Welt, hättest du doch besser aufgepasst und anders gehandelt.
Èric Vuillard hat für dieses eher kleine, aber äußerst rasante Buch den „Prix Goncourt“ erhalten, den wichtigsten französischen Literaturpreis. Er reiht sich somit ein in die Riege großartiger Schriftsteller wie Houellebecq, Little oder Leila Slimani und vieler mehr.
Ich bin Vuillard dankbar für dieses Buch. Ein schmales Buch! Ein notwendiges Buch!
Ein tolles Buch!
Also dann los! Holt es euch; ab auf den Lieblingsplatz und taucht ein! Ich verspreche euch, es lohnt sich!

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