U und Charlotte – Wie sehr hätte ich ihr Schicksal verhindern wollen!

Karfreitag. Dieses Jahr ein grauer, eher trister Tag. Es regnet und nach einem guten Stück Kuchen und einem Cappuccino möchte ich euch ein Buch empfehlen, das mich bei seiner Lektüre enorm angesprochen hat. Emotional und literarisch.
Sicherlich wird es Leute geben die meinen, naja, wieder mal eine Geschichte über das tragische Schicksal einer jungen jüdischen Frau im Nazi – Deutschland. Aber wer bereits mit dieser Art der Distanz zu unserer Geschichte und somit an die Geschichte unzähliger Opfer dieser Zeit herangeht, dem möchte ich zurufen: „Hey, hier geblieben. Schau hin, lerne, verstehe und hilf mit, dass es nie wieder in unserem Land zu solchen Schicksalen kommt.“

Ich kannte Charlotte bis zu diesem Buch nicht. Es gab sie wirklich. Charlotte Salomon. Kind einer gut bürgerlichen Familie mit dem Traum, Künstlerin zu werden.
David Foenkinos geht das Wagnis ein, uns die geschichtliche Wirklichkeit vor Augen zu führen. Sensibel und in einer auffälligen Erzählform, nähert er sich der Geschichte Charlotte Salomons. Die französische Zeitschrift „Le Point“ schreibt: „David Foenkinos nähert sich Charlotte Salomon, als sei sie seine Schwester, seine Mutter oder gar seine Geliebte“.
Ja, diesen Eindruck hatte ich beim Lesen ebenfalls. Feinfühlig, mit dem so ernsthaften Versuch, die Geschichte dieser jungen Frau mit einem außerordentlichen Talent für die Malerei zu ergründen. In einer Art Versform, allerdings nur optisch, kann man den Eindruck bekommen, Foenkinos mochte sich nur über die Sensibilität der Lyrik annähern. Aber es ist ein Roman! So nah es wohl geht an der Realität. Die Form fesselt den Leser! Kurze prägnante Sätze. Realität, Fiktion, Bericht, Dokumentation, Biographie, Schicksal, Mut, Lebenslust, Liebe, Trauer, Abschied, Sittengemälde, Schuld, Unschuld, Drama, Talent. All das findet sich in dieser Geschichte der Charlotte Salomon wieder. Ich bin David Foenkinos äußerst dankbar für dieses Buch! Der frz. Bestsellerautor bewahrte zu jeder Zeit in diesem Buch die Sensibilität bei; erhebt nicht den belehrenden Zeigefinger; war irritiert über das Verhalten in Frankreich bei seinen Recherchen. Ließ nie Zweifel an den Tätern, wie auch!
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Der Prix Renaudot und der Prix Goncourt de lyceèns sind Beleg für den Erfolg in seinem Heimatland Frankreich. Auch in Deutschland sorgt dieser so bewegende, aber auch mahnende Roman für Aufsehen.
Nach dem Tod der Mutter lernt sie das Alleinsein, da sich der Vater, ein angesehener Arzt in seine Arbeit flüchtet. Mit der Stiefmutter kehrt wieder Leben in den Alltag der Salomons. Prominente Zeitgenossen wie Einstein oder Albert Schweitzer sind zu Gast.
Charlotte entdeckt ihre Neigung zur Malerei und ihr Talent wird auch entdeckt und gefördert. Bis 1933, als das Drama auch für Charlotte Salomon seinen Lauf nimmt. 
Charlotte Salomon hatte ihre größte Schaffenszeit im Exil in Frankreich.

Ihr wisst, dass ich ausführliche Wiedergaben von Inhalten vermeide, da ihr selber auf Entdeckungsreise gehen sollt.
Dieses bewegende Buch, werdet ihr bis zu seinem Ende nicht aus der Hand legen. Es wird euch fesseln. Sowohl durch die Geschichte, als auch durch die Art der Erzählung dieses viel zu kurzen Lebens.
“ Das ist mein ganzes Leben“. Mit diesen Worten hinterlässt Charlotte Salomon 1942 einen Koffer mit ihren Bildern.
In ihrer künstlerischen Hinterlassenschaft „Leben? Oder Theater?“ sind ihre Werke heute zu bewundern.
Wer Zugang zu dieser außerordentlichen Frau bekommen möchte, sollte den Roman „Charlotte“ von David Foenkinos lesen. Sie starb im Alter von nur 26 Jahren schwanger in Auschwitz.

Also, wenn ihr neugierig geworden seid, habt ihr noch die Möglichkeit euch dieses Buch zu besorgen! Und dann Tee oder Kakao kochen, Sessel oder Sofa erobern und Charlotte „kennen lernen“.  Ihr werdet es nicht bereuen!

 

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