U oder L`Homme qui marche

Wie lange mag ich eigentlich schon Giacomettis Skulptur “ L`Homme qui marche“ ? Was ist es, was mich daran fasziniert ?
Es hat viele Interpretationen um diese Skulptur gegeben, wie auch um all die anderen, die
Alberto Giacometti geschaffen hat. Einigkeit bei den Interpretationen, gab es wohl eher selten und so ist es wunderbar für den Betrachter, dass er sich seine eigene Meinung bilden kann, wie es bei der Kunst meiner Meinung nach sowieso sein sollte.
Alberto Giacometti sagte von seiner Arbeit selber „Ich weiß nicht, ob es gut ist oder schlecht, aber es ist mir auch egal. Ich mache auf jeden Fall weiter“.

Endlich hatte ich Gelegenheit, einen Teil seiner Werke in einer Ausstellung direkt zu betrachten.
Und da war auch “ L`Homme qui marche“. Endlich! Der schreitende Mann bzw. eine der sechs vorhandenen Bronzeausführungen dieser wunderbaren Skulptur. Aber nicht nur das. Weitere wunderbare Exponate wie “ Le Chien“ , der dürre Hund, von dem er sagte : “ Eines Tages sah ich mich so auf der Straße gehen. Der Hund war ich.“
Diese kleine, aber dennoch feine Ausstellung aus Werken aus der Fondation Maegh, die nach der Giacometti – Stiftung die meisten Werke des Künstlers beherbergt, hat mich in das Kunstmuseum Picasso nach Münster gezogen. Vor allem auch seine Zeichnungen waren den Besuch wert!

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Giacometti, am 10. Oktober 1901 in Stampa, in der Schweiz geboren, besuchte von 1919 – 1920 die Kunstgewerbeschule in Genf. Der Sohn aus einer Künstlerfamilie fand jedoch keinen Gefallen an einer akademischen Ausbildung und reiste die nächsten zwei Jahre durch Italien.  1922 ging er dann nach Paris und schrieb sich dort an der Academie de la Grand Chaumiere ein.
Dort studierte er bei Antoine Bourdelle, einem Schüler Rodins.
Ende der 20er Jahre, kam er mit der surrealistischen Bewegung in Berührung, der er bis 1936 angehörte.  Über sie sagte er einmal :“ Es war die einzige Künstlergruppe, bei der immer was los war.“
Seine Raumkonstruktionen “ Palast um vier Uhr morgens“ oder “ Aufgehängter Ball“ zeugen von dieser Zeit.
In den folgenden Jahren, fand Giacometti dann seinen ganz eigenen Stil. Diese überlangen Figuren und Köpfe, die seinem Werk einen eine Art entmaterialisierten, vergeistigten Ausdruck gaben.
Entscheidenden Einfluss auf seine Arbeit nahm auch die Freundschaft zu Simone de Beauvoire und Jean – Paul Sartre. Seine plastischen Arbeiten wurden immer fragiler, seine Bilder und Zeichnungen immer sensibler.
Seine Arbeiten wurden zum Ausdruck der Verlorenheit und Einsamkeit der Menschen.
Die Kriegsjahre verbrachte Giacometti in der Schweiz. 1946 kehrte er jedoch nach Paris zurück, wo er unter anderem eng mit Samuel Beckett befreundet war.
1962 erhielt er den Großen Preis für Skulpturen auf der Biennale Venedig. Alberto Giacometti starb am 12. Januar 1966 in seiner Heimat Chur in der Schweiz. Posthum erschien sein graphisches Hauptwerk “ Paris san fin“.

Ich hätte diesen Mann gerne einmal getroffen um mit ihm über “ L`Homme qui marche“ zu plaudern.
Diesem schreitenden Mann, der so entschlossen, zielstrebig, unerschütterlich, mutig und doch verletzlich, sensibel und fragil seinen Weg beschreitet. Als könne ihn keine Widrigkeit, kein Sturm, aufhalten, macht er sich gerade und schreitet voran.

Vielleicht mag ich diese Skulptur, weil ich sie genau so sehe! Ja, deswegen mag ich sie so sehr!

Wie immer, möchte ich euch nur neugierig machen. Neugierig auf das, was mich anspricht. Mal als Buch, mal als Bild, mal als Skulptur oder auch Musik.
Alberto Giacometti bleibt unverwechselbar. Manche halten ihn für überbewertet, andere versuchen ihn ihr Leben lang zu ergründen. Er selber war immer wieder voller Selbstzweifel.

Aber er ging seinen Weg weiter. Wie sagte er noch gleich: Ich weiß nicht, ob es gut ist oder schlecht. Aber mir ist es egal. Ich mache einfach weiter.“ Er schritt einfach voran, wie “ L`Homme qui marche“.

Bis bald sagt euer U!

 

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