U -und David, der einen Goliath schuf

Bei einem wärmenden Tee und ein paar Spekulatius kommt mir die Idee, euch ein Buch zu empfehlen, in dessen atmosphärische Dichte ihr wie durch einen Sog hineingezogen werdet.
David Guterson lässt das Jahr 1954 in der Abgeschiedenheit der Nordwestküste der USA erwachen.
Es ist Dezember, Schnee fällt und vor Gericht wird ein Mann des Mordes angeklagt. Was auf dem ersten Blick wie ein eher trivialer Kriminalroman klingt, ist alles andere als das.
“ Schnee der auf Zedern fällt“ ist eine Zeitreise in die Jahre nach dem 2. Weltkrieg in den US Staat Washington. Die Insel San Pedro im Puget Sound, ist der Schauplatz eines Gerichtsprozesses, der ein Kapitel amerikanischer Geschichte aufschlägt, das vielen bis dahin unbekannt war und heute auch nicht jedem bekannt ist. Dieser extrem dicht geschriebene, phasenweise poetische, fesselnde Roman, ist das Debut von David Guterson, der bis dahin einige Kurzgeschichten veröffentlicht hatte.

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Vielleicht denken jetzt einige von euch, ach, den Film hab ich doch gesehen, warum jetzt noch den Roman lesen?!
Ich möchte euch entgegnen, doch, bitte lest dieses Buch, denn auch wenn der Film ein sehr guter ist, kann er die Dichte des Romans nicht erreichen.

Ihr werdet den Wintersturm hören, der über die Insel fegt. Ihr werdet euch die Schneeflocken aus dem Gesicht wischen wollen, die euch aus dem Buch entgegen wehen. Ihr werdet Ungerechtigkeit verhindern wollen, die in der Geschichte droht. Ihr werdet betroffen sein, wenn ihr teil habt an der Internierung und Enteignung japanischstämmiger Amerikaner im 2. Weltkrieg nach Pearl Harbour.
In dem Gerichtsprozess leben alte Ressentiments wieder auf. 
Guterson thematisiert mit “ Schnee der auf Zedern fällt“ die lange Zeit für tabu erklärten Schikanen gegen die japanischstämmige Bevölkerung, die nicht zuletzt auch in Zwangsarbeit endete.

Ihr wisst, dass ich selten etwas mehr zum Inhalt eines Buches sage, da ihr ihn ja selber entdecken sollt.
Bei diesem Roman habe ich mir aber erlaubt, eine kleine Ausnahme zu machen. Sie ist tatsächlich klein, da der Roman ein ganz großer ist.

David ( Guterson) hat einen Goliath erschaffen, den ihr lesen solltet.
Mord, Schicksal, Krieg, Liebe und ein lange unbekanntes Kapitel amerikanischer Geschichte wird euch fesseln.

Vielleicht wollt ihr euch ja im Dezember 2015 an die Nordwestküste Amerikas im Dezember 1954 versetzt fühlen und taucht ein in einen packenden Roman, der mir nach seinem Erscheinen in Deutschland begeisterte Lesestunden bereitete.

David Guterson hat dafür den PEN Faulkner Award erhalten und der Roman wurde in mehr als 30 Sprachen millionenfach verkauft.

Kocht euch auch einen Kakao oder Tee und erobert mit David Guterson das Sofa oder euren Lesesessel, um die Geschichte von Kabuo Myamoto, Carl Heine, Ishmail Chambers und der schönen Hatsue lesen zu wollen.

Ihr werdet den Wind hören, den Schnee an euer Fenster fallen sehen, die Decke etwas höher ziehen und den Duft der Zedern riechen.

Aber eines werdet ihr nicht: bereuen, dieses Buch zu lesen! 
Ihr werdet sehen!

 

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