U – oder warum Hanff auch gut tun kann!

Es gibt so viele Schätze, die zwischen zwei Buchdeckeln verewigt wurden. Romane, Gedichte, Erzählungen, Novellen, Kurzgeschichten. Viele davon berühmt; manche im Verborgenen, der eine oder andere vergessen oder angestaubt.
Einen solchen Schatz, habe ich heute für euch als Empfehlung aus meinem Buchregal gezogen. Nicht „aus dem Kindle“ oder so, nein, aus meinem Regal, weil ich es liebe, mich mit Büchern zu umgeben.
Der Verleger Gerhard Stindl hat einmal gesagt:
“ Papier ist für mich keine lästige Notwendigkeit, sondern etwas zutiefst Sinnliches. Papier har Geruch. Papier hat Aura. Die Schönheit des Buches ist ein Teil seiner Botschaft“. Er spricht mir aus der Seele, wenn es um Bücher geht.
Am 5. Oktober 1949 beginnt durch einen Brief, der auf eine Annonce reagiert, einer der wunderbarsten Briefwechsel zwischen zwei Menschen, den man in der Literatur finden kann.
Jetzt bitte nicht zusammen zucken oder denken: „Was interessieren mich die Briefe anderer Leute“!  Diese Briefe begeistern jeden Bücherliebhaber und sind einer dieser Schätze, die ich meine.
Nach dem 2. Weltkrieg, sind Bücher oft nur sehr schwer zu erhalten und somit reagiert die amerikanische Theaterautorin Helene Hanff auf eine schlichte Anzeige der Buchhandlung Marks & Co in London in der “ Saturday Review of Literature“, die damit wirbt, Bücher liefern zu können, die eigentlich nicht zu liefern sind.
Aus diesem ersten Brief entspinnt sich ein Briefwechsel, der über mehr als 20 Jahre andauern sollte.
Hinreißend, scharfzüngig und voller rauer Herzlichkeit erobert dabei Helene Hanff den eher schüchternen Londoner Antiquar Frank Doel. Nein, es ist keine Liebesgeschichte, sondern ein wunderbares Buch über Freundschaft und Bücher. 
1970 erschien der Briefwechsel im Original unter dem Titel “ 84 Charing Cross Road“ und wurde zum Kultbuch der Buchhändler. In Deutschland erst 2002 erschienen, kann es jeden Leser und jede Leserin nur begeistern.
Nie langweilig, oft schnodderig, immer geistreich und schlagfertig führt Helene Hanff diesen Briefwechsel und machte sie nach der Veröffentlichung von “ 84 Charing Cross Road“ berühmt und ließ ihre mäßigen Erfolge als Dreh – und Schulbuchautorin schnell vergessen.
Es sind Sätze wie “ Schicken Sie Dichter, die Liebe machen können, ohne zu sabbern“, die einen zum schmunzeln innehalten lassen und die den eher britisch steifen Frank Doel immer wieder vor Herausforderungen stellen, die er mit großer Bravour und seine ganz besondere britische Art löst. Nie ist ein Brief zu lang, nie langweilig und immer blättert man so gerne um, um den Briefwechsel weiter zu verfolgen. „In das eine oder andere Buch scheint das Leben selbst hineinzuwehen, dieses ist eines davon“ war einmal in der FAZ zu lesen. Ja! Leidenschaftlich, mitreißend und klug ist es.
Ich möchte euch dieses Buch so gern ans Herz legen. Und was man jemandem 
ans Herz legt, ist einem wertvoll!

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Mit ihrem 2. Buch „Die Herzogin der Bloomsbury Street“ schreibt Helene Hanff auf ihre ganz eigene charmante, geistreiche, schnoddrige und skurrile Art eine Art Tagebuch über ihren ersten London – Aufenthalt, auf den sie sich seit mehr als 20 Jahren so sehr gefreut hat. 
Sie reist von New York nach London um ihr Buch “ 84 Charing Cross Road“ in Europa vorzustellen.
Hanff ist begeistert von der Weltstadt, die sie bis dahin lediglich aus Büchern und dem Briefwechsel mit ihrem langjährigen Freund Frank Doel „kennt“.
Ihre englischen Fans überwältigen Helene Hanff. Für einige Wochen wird sie zum Star der Szene und versäumt es dabei nicht, zahlreiche Fettnäpfe zu treffen. Sie wird zur “ Herzogin der Bloomsbury Street“ und bereinigt mit ihrem unvergleichlichen Charme jeden Fettnapftreffer.
Ich möchte euch auch dieses Buch sehr empfehlen, denn wenn ihr “ 84 Charing Cross Road“ gelesen habt, möchtet ihr mehr Helene Hanff. Ob sie ihren Brieffreund Frank Doel wohl treffen konnte?

Dem englischen Radiosender BBC gelang es, Helene Hanff, die mehr als 40 Jahre in New York lebte, regelmäßig Geschichten aus ihrer Stadt zu liefern.
In ihrem dritten Buch “ Briefe aus New York“ wurden diese Geschichten zusammengefasst und Hanff erzählt in ihrer unvergleichlichen Art und voller Begeisterungsfähigkeit aus ihrem Alltag in New York.
Auch wenn dieses dritte Buch nicht ganz an die ersten Werke heran kommt, ist es ein Geschenk, Helene Hanff in ihrem New Yorker Alltag zu begleiten.

So, ihr Lieben. Ich wünsche euch Neugierde auf meine Tipps. Es lohnt sich, Sofa oder Sessel mit Tee und Hanff zu erobern!

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