U`s Prinz oder wie ich Alan Isler fand!

Kennt ihr Alan Isler? – Nein?

Das macht nichts, denn ihr habt ja jederzeit die Möglichkeit ihn, bzw. sein Werk kennen zulernen.

Es war irgendwann im Jahr 1995 meine ich, als ich das literarische Quartett im Fernsehen schaute. Ein wie immer launischer Marcel Reich – Ranicki begeisterte sich für ein Buch, dessen Autor , Jahrgang 1934, sein „Erstlingswerk“ veröffentlicht hatte. In den USA und GB war das Buch bereits 1994 erschienen und wurde auf Anhieb ein Erfolg.

„Der Prinz der West End Avenue“

Da machte sich also ein in London geborener und 1952 nach New York emigrierter Literaturwissenschaftler daran, einen Roman zu schreiben. Mir erschien das erst einmal wenig spektakulär. Was konnte man erwarten von einem Anglisten, der insbesondere Renaissancelitaratur an amerikanischen Hochschulen lehrte?!
Aber da war etwas an der Buchbesprechung, dass mich neugierig machte.

Also Buch besorgt, angefangen zu lesen, nicht mehr aufgehört.

Da ich es mir für diesen Blog zur Prämisse gemacht habe, keine langen Inhaltsangaben zu schreiben,
bleibe ich bei Reich – Ranicki der damals sagte: „Ein sehr sehr heiteres Buch – eine völlig überraschende Sache“.

Ja, das war es tatsächlich!

Leicht und doch voller tiefe; witzig und doch zum Weinen traurig; spannend und dennoch philosophisch.
Ich war begeistert und es wurde zu einem meiner Lieblingsbücher.

Ein Altersheim in New York; eine exzentrische, streitlustige Schar jüdischer Emigranten bereiten eine „Hamlet – Aufführung“ vor.
Unerwartetes Prinzsein, verdrängte Erinnerungen, Liebe im Alter und eine Reise vom vorliteratischen Europa ins nachliteratische New York ist ein wunderbarer Lesespass, bei dem auch mal ein Tränchen kullern kann.
Macht euch bitte die Freude.

014

Zu empfehlen, sind aber auch seine übrigen Werke. Insbesondere „op. non cit.“ , was eigentlich für Werke steht, die nicht angeführt werden, ist Alan Islers Hinweis darauf, dass er Bücher anderer Autoren für seine Zwecke verwendet.
Vier Erzählungen, in denen Isler Oscar Wilde, Shylock, Coleridge und andere raffiniert und reizvoll verfremdet, dass man nur staunen kann. Ein absoluter Gewinn für jeden Leser, wobei Alan Isler seine Liebe zu den Autorenkollegen spüren lässt.

Dann erschien „Klerikale Irrtümer“. Edmond Music, katholischer Priester und Rektor von Beale Hill hat ein Geheimnis: Er glaubt nicht an Gott.

Oder ist Edmond Music gar nicht Edmond Music?? Seine geschwätzige Zunge führt den Leser durch komische englische Landschaften. Brillante Wortspiele, komisch und bewegend zugleich machen Freude bei diesem Roman vom Glauben, Identität und von der Liebe.

Vielleicht muss man bei seinem  Werk „Goetzens Bilder“ Abstriche machen; aber nur vielleicht.
Auch dieses Buch sollte man gelesen haben, denn es ist ein Geschenk, dass Alan Isler sich mit 60 Jahren daran gemacht hat uns mit seinen Büchern zu begeistern.

Es würde mich freuen, wenn einige von euch bald auf die Frage: Kennt ihr Alan Isler? antworten würden:

Oh ja, den kenne ich. Er hat mir erzählt von Prinzen, komischen englischen Landschaften und klerikalen Irrtümern.

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